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Exe­na­tid

Exendin‑4 (Helo­der­ma suspec­tum)

Vor­han­de­ne Struk­tur­da­ten: 1JRJ

Mas­se/Länge Pri­mär­struk­tur 39 Ami­no­säu­ren
Prä­kur­sor (61 aa)
Bezeich­ner
Exter­ne IDs
Arz­nei­stoff­an­ga­ben
ATC-Code A10BX04
Drug­Bank DB01276
Wirk­stoff­klas­se Anti­dia­be­ti­ka
Vor­kom­men
Homo­lo­gie-Fami­lie Exen­din
Über­ge­ord­ne­tes Taxon Helo­der­ma

Exe­na­tid ist künst­lich her­ge­stell­tes Exendin‑4, ein Poly­pep­tid, das im Spei­chel der nord­ame­ri­ka­ni­schen Gila-Krus­ten­ech­se (Helo­der­ma suspec­tum) gefun­den wur­de. Es wur­de 2005 als ers­te Sub­stanz der Wirk­stoff­klas­se der Inkre­tin­mime­ti­ka (GLP-1-Ago­nis­ten) unter dem Han­dels­na­men Byet­ta (Her­stel­ler: Astra­Ze­ne­ca[1]) als Medi­ka­ment zur Blut­zu­cker­sen­kung bei Dia­be­tes mel­li­tus zuge­las­sen.

The­ra­peu­ti­sche Aspek­te[Bear­bei­ten | Quell­text bear­bei­ten]

Phar­ma­ko­lo­gie[Bear­bei­ten | Quell­text bear­bei­ten]

Die Struk­tur des Pep­tids ähnelt dem mensch­li­chen Hor­mon Glu­ca­gon-like Pep­tid 1 (GLP‑1). Die­ses Dünn­darm­hor­mon, das nach einer Mahl­zeit frei­ge­setzt wird, sti­mu­liert in den β‑Zellen der Bauch­spei­chel­drü­se die Aus­schüt­tung des blut­zu­cker­sen­ken­den Hor­mons Insu­lin (sie­he auch Inkre­tin-Effekt). Exe­na­tid besteht wie Exendin‑4 aus 39 Ami­no­säu­ren, mit einer zusätz­li­chen C‑terminalen Amid­grup­pe.[2] Es wirkt durch eine glu­ko­se­ab­hän­gi­ge Anre­gung der Insu­lin­se­kre­ti­on und eine Reduk­ti­on der Aus­schüt­tung des Insu­lin-Gegen­spie­lers Glu­ca­gon unmit­tel­bar blut­zu­cker­sen­kend.[3] Es wird im Kör­per weni­ger schnell abge­baut als huma­nes GLP‑1 und ist des­halb län­ger wirk­sam.

Zulas­sungs­sta­tus[Bear­bei­ten | Quell­text bear­bei­ten]

Seit 2005 ist Exe­na­tid in den USA als Medi­ka­ment unter dem Han­dels­na­men Byet­ta zuge­las­sen. 2006 erfolg­te die Zulas­sung durch die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on und 2007 kam Byet­ta in Deutsch­land auf den Markt. 2011 wur­de eine nur ein­mal wöchent­lich zu inji­zie­ren­de Retard­form von Exe­na­tid unter dem Namen Bydu­re­on euro­pä­isch zuge­las­sen.

Anwen­dung und Wir­kung[Bear­bei­ten | Quell­text bear­bei­ten]

Exe­na­tid wird auf­grund sei­ner che­mi­schen Struk­tur bei ora­ler Gabe nicht resor­biert, son­dern muss (sub­ku­tan) gespritzt wer­den. Es wird in der Behand­lung des Typ-2-Dia­be­tes als Alter­na­ti­ve oder als ergän­zen­de The­ra­pie ein­ge­setzt, wenn durch die allei­ni­ge Anwen­dung von ora­len Anti­dia­be­ti­ka kei­ne aus­rei­chen­de Blut­zu­cker­kon­trol­le erreicht wer­den kann oder ora­le Medi­ka­men­te nicht ver­tra­gen wer­den. Exe­na­tid wird etwa 30 bis 60 Minu­ten vor einer Mahl­zeit sub­ku­tan ver­ab­reicht. Neben der Blut­zu­cker­sen­kung ver­zö­gert es die Magen­ent­lee­rung, redu­ziert den Appe­tit und stei­gert das Sät­ti­gungs­ge­fühl. Da die Wir­kung vom Blut­zu­cker­spie­gel abhän­gig ist, besteht nur ein gerin­ges Risi­ko für das Auf­tre­ten einer Unter­zu­cke­rung. Die Gewichts­ab­nah­me ist dabei unab­hän­gig vom Auf­tre­ten gas­tro­in­testi­na­ler Neben­wir­kun­gen wie Übel­keit oder Erbre­chen.[4]

Uner­wünsch­te Wir­kun­gen[Bear­bei­ten | Quell­text bear­bei­ten]

Als häu­figs­te Neben­wir­kun­gen tre­ten bei rund der Hälf­te der Pati­en­ten min­des­tens ein­mal wäh­rend der Behand­lung gas­tro­in­testi­na­le Stö­run­gen wie Übel­keit, Erbre­chen und Durch­fall auf. Deren Aus­prä­gung ist bei den meis­ten Pati­en­ten leicht bis mäßig und abhän­gig von der Dosie­rung. Die Häu­fig­keit und Schwe­re die­ser Neben­wir­kun­gen neh­men im The­ra­pie­ver­lauf ab. Wei­te­re häu­fi­ge Neben­wir­kun­gen sind Kopf­schmer­zen, Schwin­del, vor­über­ge­hen­de Schwä­che und Unru­he.

Ver­ein­zel­te Mel­dun­gen über das Auf­tre­ten einer aku­ten Pan­krea­ti­tis unter Exe­na­tid konn­ten in Stu­di­en nicht sicher auf das Medi­ka­ment zurück­ge­führt wer­den, so fand eine 2010 ver­öf­fent­lich­te, retro­spek­ti­ve Stu­die kein erhöh­tes Risi­ko für eine aku­te Pan­krea­ti­tis unter Exe­na­tid, son­dern ein all­ge­mein bei Dia­be­ti­kern erhöh­tes Risi­ko für das Auf­tre­ten einer aku­ten Pan­krea­ti­tis.[5]

2011 infor­mier­te die Arz­nei­mit­tel­kom­mis­si­on der deut­schen Ärz­te­schaft (AKdÄ) über zwei Fäl­le, bei denen bei mit Exe­na­tid behan­del­ten Pati­en­ten ein Pan­kre­as­kar­zi­nom dia­gnos­ti­ziert wur­de. Die AkdÄ emp­fahl den Ein­satz von Exe­na­tid nur in spe­zi­el­len Situa­tio­nen.[6] Stu­di­en über den Zusam­men­hang zwi­schen GLP1-Ago­nis­ten, den ähn­li­chen DPP4-Hem­mern und Kar­zi­nom­ri­si­ko sind wider­sprüch­lich.[7]

Die Ent­wick­lung von Anti­kör­pern gegen Exe­na­tid ist doku­men­tiert, aller­dings ist nicht bekannt, ob die­se lang­fris­tig zur Tole­ranz­ent­wick­lung füh­ren. Aku­te immu­no­lo­gi­sche Reak­tio­nen wie bei­spiels­wei­se eine ana­phy­lak­ti­sche Abwehr­re­ak­ti­on wur­den sehr sel­ten beob­ach­tet.

Wirt­schaft­li­che Ver­ord­nung[Bear­bei­ten | Quell­text bear­bei­ten]

2008 hat der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss (G‑BA) einen The­ra­pieh­in­weis zur Behand­lung mit Exe­na­tid ver­öf­fent­licht. Dar­in infor­miert der G‑BA über den Umfang der Zulas­sung sowie über Wir­kung, Wirk­sam­keit und Risi­ken, gibt Emp­feh­lun­gen zur wirt­schaft­li­chen Ver­ord­nungs­wei­se, zu den Kos­ten und zu gege­be­nen­falls not­wen­di­gen Vor­sichts­maß­nah­men bei der Ver­ord­nung.[8]

Han­dels­na­men[Bear­bei­ten | Quell­text bear­bei­ten]

Byet­ta, Bydu­re­on (Retard­for­mu­lie­rug)

Lite­ra­tur[Bear­bei­ten | Quell­text bear­bei­ten]

  • Medi­zi­ni­sche Monats­zeit­schrift für Phar­ma­zeu­ten 3/06.
  • Bray, G.M. (2006): Exe­na­ti­de. In: Am J Health Syst Pharm. 63(5):411–418. PMID 16484515.
  • R. Göke, H.C. Feh­mann, T. Linn, H. Schmidt, M. Krau­se, J. Eng, B. Göke: Exendin‑4 is a high poten­cy ago­nist and trun­ca­ted exen­din (9–39) ami­de a potent ago­nist at the GLP‑1 (7–37) ami­de recep­tor of insu­lin-secre­ting β‑cells. J. Biol. Chem. 1993; 268: 19650–19655. PMID 8396143.

Ein­zel­nach­wei­se[Bear­bei­ten | Quell­text bear­bei­ten]

  1. Gel­be Lis­te Online: Fach­in­for­ma­ti­on Byet­ta® 10 Mikro­gramm Injek­ti­ons­lö­sung in einem Fer­tig­pen | Gel­be Lis­te. Abge­ru­fen am 4. Dezem­ber 2020. 
  2. Ein­trag zu Exe­na­ti­de in der Drug­Bank der Uni­ver­si­ty of Alber­ta, abge­ru­fen am 18. Novem­ber 2019.
  3. J. J. Neu­m­il­ler: Dif­fe­ren­ti­al che­mis­try (struc­tu­re), mecha­nism of action, and phar­ma­co­lo­gy of GLP‑1 recep­tor ago­nists and DPP‑4 inhi­bi­tors. In: Jour­nal of the Ame­ri­can Phar­macists Asso­cia­ti­on Band 49 Sup­pl 1, 2009 Sep-Oct, S. S16–S29, doi:10.1331/JAPhA.2009.09078. PMID 19801361.
  4. F. Fol­li, R. Guard­ado Men­do­za: Poten­ti­al use of exe­na­ti­de for the tre­at­ment of obe­si­ty. In: Expert Opi­ni­on on Inves­ti­ga­tio­nal Drugs. Band 20, Num­mer 12, Dezem­ber 2011, S. 1717–1722, doi:10.1517/13543784.2011.630660. PMID 22017240. PMC 3495586 (frei­er Voll­text).
  5. Garg R et al. Acu­te pan­crea­ti­tis in type 2 dia­be­tes trea­ted with exe­na­ti­de or sitag­lip­tin: A retro­s­pec­ti­ve obser­va­tio­nal phar­ma­cy claims ana­ly­sis. Dia­be­tes Care 2010 Nov; 33:2349; PMID 20682680.
  6. Pan­kre­as­kar­zi­no­me im Zusam­men­hang mit Exe­na­tid (Byet­ta®) (Aus der UAW-Daten­bank). akdae.de, 13. Mai 2011, abge­ru­fen am 1. August 2012. 
  7. Deut­sche Dia­be­tes Gesell­schaft: .mw-par­ser-out­put .webarchiv-memento{color:#303030!important}html.skin-theme-clientpref-night .mw-par­ser-out­put .webarchiv-memento{color:#aaaaaa!important}@media(prefers-color-scheme:dark){html.skin-theme-clientpref-os .mw-par­ser-out­put .webarchiv-memento{color:#aaaaaa!important}}Stel­lung­nah­me zur Arbeit von But­ler und Mit­ar­bei­tern zu his­to­lo­gi­schen Ver­än­de­run­gen im mensch­li­chen Pan­kre­as nach The­ra­pie mit Inkre­tin-basier­ten Medi­ka­men­ten (Memen­to des .mw-par­ser-out­put .dewiki-iconexternal>a{background-position:center right;background-repeat:no-repeat}body.skin-minerva .mw-par­ser-out­put .dewiki-iconexternal>a{background-image:url(“https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a4/OOjs_UI_icon_external-link-ltr-progressive.svg”)!important;background-size:10px;padding-right:13px!important}body.skin-timeless .mw-par­ser-out­put .dewiki-iconexternal>a,body.skin-monobook .mw-par­ser-out­put .dewiki-iconexternal>a{background-image:url(“https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/30/MediaWiki_external_link_icon.svg”)!important;padding-right:13px!important}body.skin-vector .mw-par­ser-out­put .dewiki-iconexternal>a{background-image:url(“https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/96/Link-external-small-ltr-progressive.svg”)!important;background-size:0.857em;padding-right:1em!important}Ori­gi­nals vom 6. März 2014 im Inter­net Archi­ve)  Info: Der Archiv­link wur­de auto­ma­tisch ein­ge­setzt und noch nicht geprüft. Bit­te prü­fe Ori­gi­nal- und Archiv­link gemäß Anlei­tung und ent­fer­ne dann die­sen Hin­weis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de. DDG 2013, abge­ru­fen 6. März 2014.
  8. Pres­se­mit­tei­lung: Gemein­sa­mer Bun­des­aus­schuss beschließt The­ra­pieh­in­wei­se zu Exe­na­ti­de und Pali­vi­zu­mab. g‑ba.de, 20. Juni 2008, abge­ru­fen am 1. August 2012. 
source: https://de.wikipedia.org/wiki/Exenatid

(Wiki­pe­dia) Exe­na­tid ist künst­lich her­ge­stell­tes Exendin‑4, ein Poly­pep­tid, das im Spei­chel der nord­ame­ri­ka­ni­schen Gila-Krus­ten­ech­se (Helo­der­ma suspec­tum) gefun­den wur­de. Es wur­de 2005 als ers­te Sub­stanz der Wirk­stoff­klas­se der Inkre­tin­mime­ti­ka (GLP-1-Ago­nis­ten) unter dem Han­dels­na­men Byet­ta (Her­stel­ler: Astra­Ze­ne­ca) als Medi­ka­ment zur Blut­zu­cker­sen­kung bei Dia­be­tes mel­li­tus zuge­las­sen.
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