Fall­schir­me schüt­zen nicht vor Ver­let­zung und Tod!?

Die Häu­fig­keit von Ver­let­zun­gen und Todes­fäl­len unter­schei­det sich nicht, egal ob Ver­suchs­per­so­nen mit einem Fall­schirm oder einem lee­rem Ruck­sack vom Flug­zeug sprin­gen, so zeigt eine aktu­el­le Stu­die in einer der welt­weit höchst bewer­te­ten medi­zin­wis­sen­schaft­li­chen Fach­zeit­schrif­ten, dem Bri­tish Medi­cal Jour­nal [1].

Und es kommt noch hef­ti­ger: Unter den 92 Flug­zeug­pas­sa­gie­ren, die in die kon­trol­lier­te Stu­die ein­ge­schlos­sen wur­den, und die ran­do­mi­siert ent­we­der der Grup­pe mit Fall­schirm oder der Grup­pe mit lee­rem Ruck­sack zuge­ord­net wur­den, kam es bei den Absprün­gen zu kei­ner ein­zi­gen Ver­let­zung, geschwei­ge denn irgend­wel­chen Todes­fäl­len. Die Stu­die belegt somit, so die Autoren, dass Fall­schir­me kei­ne ver­let­zungs- und todes­vor­beu­gen­de Wir­kung haben.

Betrug und Fäl­schung in der Medi­zin

Dass wis­sen­schaft­li­che Publi­ka­tio­nen genau zu prü­fen sind, und dass vor allem die ein­lei­ten­den kur­zen Zusam­men­fas­sun­gen oft nur die hal­be Wahr­heit sind, zeigt sich auf Sei­te 5 der Publi­ka­ti­on. Dort ist eine Pro­ban­din mit lachen­dem Gesicht bei einem Ruck­sack-Sprung vom Flü­gel eines Mini­flug­zeu­ges aus etwa 30 Zen­ti­me­ter Höhe (!) zu sehen. Die Autoren-Grup­pe betont an ande­rer Stel­le, die „wis­sen­schaft­li­che“ Stu­die eher aus päd­ago­gi­schen Grün­den publi­ziert zu haben.

Vie­le Medi­zi­ner glau­ben näm­lich viel zu oft irgend­wel­chen Kurz­fas­sun­gen von Fach­ver­öf­fent­li­chun­gen, ohne noch genau hin­zu­se­hen oder kri­tisch zu hin­ter­fra­gen. Und sie ris­kie­ren damit die Gesund­heit ihrer Pati­en­ten. Zudem sind über­durch­schnitt­lich vie­le Arz­nei­mit­tel-Stu­di­en genau so wie die Fall­schirm-Stu­die auf­ge­baut: Indem „Hoch­ri­si­ko-Pati­en­ten“ (also zum Bei­spiel Men­schen, die aus gro­ßer Höhe absprin­gen, beson­ders krank oder hoch­be­tagt sind) aus­ge­schlos­sen wer­den, kön­nen die Ergeb­nis­se einer Unter­su­chung gezielt „schön gefärbt“ wer­den. Mal abge­se­hen davon, dass immer mehr Stu­di­en von Anfang an gefälscht sind [2], zum Bei­spiel, um den Umsatz bei Arz­nei­mit­teln oder Medi­zin­pro­duk­ten anzu­kur­beln.

Ver­stop­fung durch Medi­ka­men­te weit­ge­hend ver­schwie­gen

In der Magen-Darm-Medi­zin gehört schließ­lich das Ver­schwei­gen tabui­sier­ter Pro­ble­me zu den gän­gi­gen Ver­fah­ren, Pro­ble­me zu leug­nen und wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en­ergeb­nis­se zu fäl­schen. Bei­spiels­wei­se bei Pati­en­ten, die Medi­ka­men­te gegen psy­chi­sche Erkran­kun­gen ein­neh­men (Anti­psy­cho­ti­ka). Sol­che Mit­tel gehö­ren bei uns zu den am häu­figs­ten ver­ord­ne­ten Prä­pa­ra­ten. In Alten­hei­men erhal­ten bei­spiels­wei­se bis zu 40% aller Bewohner*innen Anti­psy­cho­ti­ka. Bereits dies ist ein Skan­dal. Eben­falls kata­stro­phal ist aber, dass rund ein Drit­tel aller Pati­en­ten durch sol­che Mit­tel chro­ni­sche Ver­stop­fung bekommt (natür­lich auch noch durch ande­re Psy­cho­phar­ma­ka und Medi­ka­men­te) [3]. Hier­durch wird eine uner­quick­li­che, leid­vol­le Spi­ra­le in Gang gesetzt, die mit immer weni­ger Lebens­freu­de, sin­ken­der Vita­li­tät und abneh­men­der see­li­scher und sozia­ler Gesund­heit ein­her geht. In Medi­ka­men­ten- oder Ver­sor­gungs­stu­di­en kommt die­se Neben­wir­kung jedoch fast nie vor.

Autor
• Rai­ner H. Buben­zer, Ber­lin, 6. Febru­ar 2019.
Bild­nach­weis
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Quel­len
[1] Yeh RW, Vals­dot­tir LR, Yeh MW, Shen C, Kra­mer DB, Strom JB, Secems­ky EA, Hea­ly JL, Domei­er RM, Kazi DS, Nall­a­mo­thu BK; PARACHUTE Inves­ti­ga­tors: Parach­u­te use to pre­vent death and major trau­ma when jum­ping from air­craft: ran­do­mi­zed con­trol­led tri­al. BMJ. 2018 Dec 13;363:k5094 (Kurz­fas­sun­gen: DOI | PMID).
[2] anschau­lich gezeigt an einem der renom­mier­tes­ten For­scher, die Deutsch­land jemals vor­zu­wei­sen hat­te: Fried­helm Herr­mann (Wiki­pe­dia).
[3] Stan­ni­land C, Tay­lor D: Tole­r­a­bi­li­ty of aty­pi­cal anti­psy­cho­tics. Drug Saf. 2000 Mar;22(3):195–214 (Kurz­fas­sun­gen: DOI | PMID).