Migrä­ne, Darm­flo­ra und Flo­ra­glück®

Fra­ge: Seit ich Flo­ra­glück ein­neh­me, sind mei­ne Migrä­ne-Anfäl­le sehr viel sel­te­ner gewor­den. Gibt es da einen Zusam­men­hang?

Jus­tus N. (40), Ham­burg

Ant­wort: Die Beob­ach­tung ist wirk­lich erstaun­lich! Mög­li­che Zusam­men­hän­ge von „Mikro­bi­om“ (vor allem des Dar­mes) und Kopf­schmer­zen (vor allem Migrä­ne) sind in der Wis­sen­schaft jedoch schon län­ger bekannt. Etli­che wis­sen­schaft­li­che Autoren­grup­pen haben sich schon mit die­ser Fra­ge aus­ein­an­der­ge­setzt. Zusam­men­ge­fasst hat dies erst kürz­lich eine mexi­ka­ni­sche Arbeits­grup­pe, die in einer Über­sichts­ar­beit [1] im Abschnitt „Migrä­ne und Darm­flo­ra“ (migrai­ne and the gut micro­bio­me) die neue­ren Unter­su­chun­gen zu dem The­ma vor­stellt. Alle zitier­ten For­scher kom­men zu dem Schluß, dass es einen kla­ren Zusam­men­hang zwi­schen Stö­run­gen der Darm­flo­ra-Gesund­heit und dem Auf­tre­ten von Migrä­ne gibt. Eine Stö­rung der Darm­bak­te­ri­en, eine soge­nann­te „Dys­bio­se“, kann Kopf­schmer­zen ver­ur­sa­chen, aus­lö­sen oder ver­schlim­mern. Die Autorin Anne Katha­ri­na Zscho­cke schreibt in ihrem Fach­buch „Darm­bak­te­ri­en als Schlüs­sel zur Gesund­heit“ (Knaur, Mün­chen, 2014, Ama­zon) dem­entspre­chend: „Für den heu­ti­gen Blick, der die Bak­te­ri­en als Mit­ge­sell­schaf­ter unse­res Kör­pers kennt, und mit dem Wis­sen, dass das Mikro­bi­om direk­ten Ein­fluss auf die Psy­che nimmt, ist es inter­es­sant, zu sehen, dass unter den ers­ten sie­ben psy­cho­so­ma­ti­schen Krank­hei­ten mit Magen- und Zwölf­fin­ger­darm­ge­schwür, Bron­chi­al­asth­ma und Neu­ro­der­mi­tis gleich drei wei­te­re Erkran­kun­gen gezählt wur­den, von denen wir heu­te wis­sen, dass sie direkt mit der Darm­bak­te­ri­en­be­sie­de­lung in Zusam­men­hang ste­hen. Auch die chro­ni­sche Poly­ar­thri­tis (Rheu­ma), Blut­hoch­druck und Schild­drü­sen­über­funk­ti­on wer­den heu­te als mikro­biell beein­flusst betrach­tet. Selbst die Migrä­ne, die ger­ne noch hin­zu­ge­zählt wird, hat Bezug zu den Ver­dau­ungs­or­ga­nen. Bei der enor­men Bedeu­tung, die Darm­bak­te­ri­en für Gehirn und Ner­ven­sys­tem haben, kön­nen sie sich dem­nächst als Schlüs­sel bei der psy­cho­so­ma­ti­schen Psy­cho­the­ra­pie ent­pup­pen.“ Neben den „aufs Gehirn wir­ken­den Darm­bak­te­ri­en“ legt zudem die gemein­sa­me embryo­lo­gi­sche Ent­wick­lungs­ge­schich­te von Gewe­ben des Zen­tra­len Ner­ven­sys­tems und des Ver­dau­ungs­trak­tes ein enges funk­tio­nel­les Zusam­men­wir­ken von Darm und Gehirn nahe. Alles zusam­men­ge­nom­men, wird die Selbst­be­ob­ach­tung von Migrä­ne-Pati­en­ten durch­aus durch wis­sen­schaft­li­che Ein­sich­ten bestä­tigt (selbst wenn vie­le Fach­ärz­te die­se Zusam­men­hän­ge noch nicht ken­nen und/oder kei­ne Mög­lich­keit sehen, hier ein­zu­grei­fen).

Quel­le
[1] Cáma­ra-Lemar­roy CR, Rodri­­guez-Gut­ier­­rez R, Mon­­re­al-Robles R, Mar­­fil-Rive­ra A: Gas­tro­in­testi­nal dis­or­ders asso­cia­ted with migrai­ne: A com­pre­hen­si­ve review. World J Gas­tro­en­te­rol. 2016 Sep 28;22(36):8149–60 (Kurz­fas­sung: DOI | PMID).