Intesti­na­le Darm­flo­ra (Mikro­bi­om) – wich­tig für Gesund­heit und Wohl­be­fin­den

Darmflora - Bakterien - Wohlbefinden

Das mensch­li­che Darm­sys­tem stellt ein beson­de­res aus­ge­bil­de­tes Funk­ti­ons­netz dar, indem der obe­re Teil ste­ril ist, um Fleisch und Fet­te zu ver­dau­en, wäh­rend im dar­an sich anschlie­ßen­den Dünn­darm und beson­ders im dar­auf fol­gen­den Dick­darm sich vie­le Bak­te­ri­en befin­den, deren Auf­ga­be dar­in besteht Gemü­se und Faser­stof­fe auf­zu­schlie­ßen. Vom evo­lu­ti­ons­tech­ni­schen Stand­punkt her ist dies eine sehr erfolg­rei­che Stra­te­gie gewe­sen, der es zum Bei­spiel den Eski­mos gestat­te­te, sich nur von Fet­ten und Pro­te­inen zu ernäh­ren, wäh­rend ande­re Popu­la­tio­nen mit einer rein vega­nen Diät über­le­ben kön­nen.

Pro­ble­me im Rah­men der Ver­dau­ung und der dar­an sich anschlie­ßen­den Auf­spal­tung in die ein­zel­nen Nah­rungs­be­stand­tei­le tre­ten immer dann auf, wenn im obe­ren Darm­ab­schnitt eine Fer­men­tie­rung auf­tritt. So soll­ten der Magen gar nicht, das Duo­den­um nur sehr gering, der rest­li­che Dünn­darm ver­ein­zelt von Mikro­or­ga­nis­men und der Dick­darm ver­stärkt mit Bak­te­ri­en, Viren, Hefen und Para­si­ten besie­delt sein, eine Besied­lung, die durch eine soge­nann­te Höhlenmensch-(Paleo-)Diät geför­dert wird.

Um ein Viel­fa­ches grö­ßer jedoch ist der Anteil der Bak­te­ri­en im Dick­darm, dort, wo Nah­rungs­be­stand­tei­le, die in obe­ren Darm­ab­schnit­ten nicht ver­daut wer­den konn­ten, in klei­ne und weit wich­ti­ge­re Nah­rungs­be­stand­tei­le, die der Orga­nis­mus unbe­dingt benö­tigt, fer­men­ta­tiv auf­ge­schlüs­selt wer­den.

Um sich eine Vor­stel­lung von der dort ange­sie­del­ten Anzahl an Mikro­or­ga­nis­men zu machen, muss man sich nur die Gesamt­zahl der cir­ca 10 Mil­lio­nen Zel­len des Orga­nis­mus vor­stel­len, denen eine Anzahl von ca. 100 Mil­lio­nen Bak­te­ri­en (das Darm­mi­kro­bi­om), also 10-mal mehr als die Kör­per­zel­len, gegen­über­steht. Des­we­gen neh­men Bak­te­ri­en auch 60 % des Roh­ge­wichts vom Stuhl mit bis zu 1.800 unter­schied­li­chen Gat­tun­gen ein, von denen wie­der­um 30–40 % aus bis zu 40.000 unter­schied­li­chen Arten stam­men.

Und weil Bak­te­ri­en im Intesti­num lebens­not­wen­dig für das Wohl­be­fin­den des Men­schen sind, soll­te jedes lang­fris­ti­ge gesund­heit­li­che Pro­blem dahin­ge­hend abge­klopft wer­den, ob eine unter­schied­li­che Bak­te­ri­en­be­sied­lung die Ursa­che dafür sein könn­te.

Hin­wei­se, dass in der Tat die Besied­lung der Bak­te­ri­en einen maß­geb­li­chen Ein­fluss auf das Wohl­be­fin­den und eine damit ein­her­ge­hen­de Mito­chon­dri­en­funk­ti­on hat, ergab erst eine kürz­lich ver­öf­fent­lich­te Unter­su­chung bei Pro­ban­den, bei denen die Akti­vi­tät in unter­schied­li­chen Hirn­re­gio­nen ohne und mit Pro­bio­ti­ka­ein­nah­me zu unter­schied­li­chen Hirn­re­ak­ti­ons­mus­tern unter Stress führ­te. So zum Bei­spiel wie­sen die Gehirn­zen­tren, die die Emo­tio­nen steu­ern, unter visu­ell-emo­tio­na­len Bil­dern und unter zusätz­li­cher Pro­bio­ti­ka­ein­nah­me eine hoch­si­gni­fi­kant gerin­ge­re Akti­vi­tät auf, ein Effekt, der auch mit einer sub­jek­tiv emp­fun­de­nen gerin­ge­ren Belas­tung ein­her­ging. Die Bedeu­tung der soge­nann­ten guten Bak­te­ri­en wur­de auch dadurch unter­stri­chen, dass die Lakt­o­ba­zil­len nicht nur eine gro­ße Rol­le in einem gesun­den Darm spie­len, son­dern zu einer Resti­tu­tio ad inte­grum (Abhei­lung ohne Fol­ge­schä­den) des vor­her (che­misch geschä­dig­ten) auf­ge­ris­se­nen ein­zelli­gen Darm­epi­thels führ­te. (Kurz­fas­sung)

Autor
• Enno Freye.
Quel­le
Freye E: Intesti­na­le Darm­flo­ra (Mikro­bi­om) – wich­tig für Gesund­heit und Wohl­be­fin­den. In: Freye E: Mito­chon­drio­pa­thien – The­ra­pie und Prä­ven­ti­on chro­ni­scher Erkrän­kun­gen. Urban & Fischer / Else­vier, Mün­chen, 2014:191–201 (Kurz­fas­sung: DOI).
Bild­nach­weis
• Ian Alva­rez (unsplash.com, ‑ebt­wrT­js­nE).
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