Wie urba­ne Bio­di­ver­si­tät und mensch­li­che Gesund­heit mit dem ‘Holobiont’-Konzept zusam­men­hän­gen

Holobiont - Wenn die Natur fehlt...
Wenn die Natur fehlt…

Eine rela­tiv unbe­rück­sich­tig­te Öko­sys­tem­leis­tung infol­ge der natür­li­chen Arten­viel­falt ist der Nut­zen, den sym­bio­ti­schen Mikro­bio­men in unse­rer Umwelt für die mensch­li­che Gesund­heit haben. Die­ser Nut­zen wird dadurch begrün­det, dass sich der Mensch zusam­men mit den Mikro­ben ent­wi­ckelt hat und stän­dig ver­schie­de­nen Mikro­bio­men aus­ge­setzt war. Pflan­zen und Tie­re, ein­schließ­lich des Men­schen, sind als Wirt mit sym­bio­ti­schen Mikro­bi­om orga­ni­siert, deren kol­lek­ti­ves Genom und Lebens­ge­schich­te einen ein­zi­gen Holo­bi­on­ten bil­den. Daher gibt es Abhän­gig­kei­ten zwi­schen Bio­di­ver­si­tät, Holo­bi­on­ten und öffent­li­cher Gesund­heit. Dies ver­an­lasst uns zu der Annah­me, dass die Gesund­heit der Men­schen durch ver­stärk­ten Kon­takt mit der Bio­di­ver­si­tät im städ­ti­schen Kon­text ver­bes­sert wer­den könn­te. Wir neh­men an, dass Men­schen (wie alle Holo­bi­on­ten) wahr­schein­lich einen viel­fäl­ti­gen mikro­biel­len Lebens­raum benö­ti­gen, um ange­mes­se­ne Res­sour­cen für ein gesun­des und lan­ges Leben zu erhal­ten. Wir dis­ku­tie­ren in unse­rer Arbeit, wie die indus­tri­el­le Urba­ni­sie­rung wahr­schein­lich die Sym­bio­se zwi­schen Mikro­bi­om und ihren Wir­ten stört und die Gesund­heit nega­tiv beein­flusst. Grund: Der indus­tria­li­sier­te urba­ne Lebens­raum ist arm an makro- und mikro­biel­ler Bio­di­ver­si­tät und ver­hin­dert den Kon­takt mit nütz­li­chen Umwelt­mi­kro­bio­men. Die­se Lebens­raum­fak­to­ren ste­hen neben der Ernäh­rung, Anti­bio­ti­ka und ande­ren Fak­to­ren in Zusam­men­hang mit der Epi­de­mie nicht über­trag­ba­rer Krank­hei­ten in unse­rer moder­nen Zivi­li­sa­ti­on. Nach unse­rer Theo­rie käme eine Wie­der­her­stel­lung der städ­ti­schen mikro­biel­len Arten­viel­falt und der mikro­öko­lo­gi­schen Pro­zes­se durch den Wie­der­auf­bau von Mikro­bio­men der Gesund­heit von Holo­bi­on­ten zugu­te und kann bei der Behand­lung der Epi­de­mie von nicht-über­trag­ba­ren städ­ti­schen Krank­hei­ten hel­fen. Dar­über hin­aus iden­ti­fi­zie­ren wir For­schungs­lü­cken und eini­ge Lösun­gen für wirt­schaft­li­che und stra­te­gi­sche Hür­den bei dem Mikro­bi­om-Wie­der­auf­bau im städ­ti­schen All­tag. (Kurz­fas­sung)

Autoren
• Jacob G Mills1, Jus­tin D Broo­kes1, Nicho­las J C Gel­lie1, Craig Lidd­icoat1, Andrew J Lowe1, Har­ri­son R Syd­nor1, Tors­ten Tho­mas2, Phil­ip Wein­stein1, Lau­ra S Wey­rich3, Mar­tin F Breed1.
1School of Bio­lo­gi­cal Sci­en­ces, The Envi­ron­ment Insti­tu­te, The Uni­ver­si­ty of Ade­lai­de, Ade­lai­de, SA, Aus­tra­lia.
2Cent­re for Mari­ne Bio-Inno­­va­­ti­on (CMB), School of Bio­lo­gi­cal, Earth and Envi­ron­men­tal Sci­en­ces, The Uni­ver­si­ty of New South Wales, Syd­ney, NSW, Aus­tra­lia.
3Aus­tra­li­an Cent­re for Anci­ent DNA, School of Bio­lo­gi­cal Sci­en­ces, The Uni­ver­si­ty of Ade­lai­de, Ade­lai­de, SA, Aus­tra­lia.
Quel­le
Mills JG, Broo­kes JD, Gel­lie NJC, Lidd­icoat C, Lowe AJ, Syd­nor HR, Tho­mas T, Wein­stein P, Wey­rich LS, Breed MF: Rela­ting Urban Bio­di­ver­si­ty to Human Health With the ‘Holo­bi­ont’ Con­cept. Front Micro­bi­ol. 2019;10:550 (Kurzfassung(en): PMID, DOI).
Schlüs­sel­wör­ter
• bio­phi­le Städ­te, Öko­­­sys­­tem-Nut­­zen, Holo­bi­ont, Immun­sys­tem, Mikro­bi­om, nicht über­trag­ba­re Krank­hei­ten, Wie­­der­her­s­tel­­lungs-Öko­­­lo­­gie, urban.
Bild­nach­weis
• Rai­ner Sturm (pixelio.de, 355604).
wei­te­re Infos
• Lynn Mar­gu­lis: Der sym­bio­ti­sche Pla­net oder Wie die Evo­lu­ti­on wirk­lich ver­lief. West­end Ver­lag, Ber­lin, 2018 (bei Ama­zon kau­fen).
• Mari­on Kaden: Der Super­or­ga­nis­mus Mensch, Ber­lin, 2017.
Grund­la­ge der Gesund­heit: Die Nor­mal­flo­ra
Zivi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten