Glück­li­che Darm­bak­te­ri­en hel­fen beim Abneh­men

Darmbakterien

Das Gesund­heits­pro­blem Über­ge­wicht wird welt­weit immer bedroh­li­cher. Aktu­el­le For­schun­gen zei­gen, dass der Zustand der Darm­bak­te­ri­en (“Darm­flo­ra”) wesent­lich für das Auf­tre­ten von Über­ge­wicht und Adi­po­si­tas und deren chro­ni­schen Ver­lauf ist [1]. Der Haupt­grund ist die Ver­än­de­rung der mensch­li­chen Ernäh­rung im Ver­lauf der letz­ten 100 Jah­re. Der Bal­last­stoff Inu­lin aus der Weg­war­ten­wur­zel (Flo­ra­glück®) kann wirk­sam Abhil­fe schaf­fen.

Die Fak­ten

  • Schon lan­ge ist bekannt, dass eine gesun­de Darm­flo­ra die Grund­la­ge für die Abwehr­funk­tio­nen des Kör­pers (“Immun­sys­tem”) ist. Eine Stö­rung des bak­te­ri­el­len Lebens im Darm (»Dys­bio­se«) erhöht zum Bei­spiel die Gefahr von Infek­ti­ons­krank­hei­ten und ande­ren Erkran­kun­gen. Bei­spiels­wei­se nach Behand­lun­gen mit zahl­rei­chen Anti­bio­ti­ka (die auch vie­le Darm­bak­te­ri­en abtö­ten) [2, 3].
  • Ein Zusam­men­hang von Darm­flo­ra und Über­ge­wicht wur­de vor weni­gen Jah­ren scho­ckie­rend ein­fach belegt: Wird etwas bak­te­ri­en­hal­ti­ger Darm­in­halt von dicken Ver­suchs­tie­ren auf dün­ne Tie­re über­tra­gen, legen auch die schlan­ken Tie­re rasch an Gewicht zu. Das funk­tio­niert sogar, wenn eine gerin­ge Men­ge Darm­be­woh­ner von über­ge­wich­ti­gen Men­schen auf schlan­ke Labor­tie­re trans­plan­tiert wird [4].
  • Die Darm­bak­te­ri­en kön­nen also Signa­le sen­den, die bei Mensch und Tier zu Über­ge­wicht füh­ren. Zunächst wur­de ange­nom­men, ver­schie­de­ne che­mi­sche, von Bak­te­ri­en gebil­de­te Signal­stof­fe wür­den dies bewir­ken, ähn­lich wie Gewebs­hor­mo­ne [5, 6]. Erst im ver­gan­ge­nen Jahr wur­de aber klar: Darm­bak­te­ri­en kom­mu­ni­zie­ren auch ohne alle Umwe­ge über Ner­ven­zel­len in der Darm­wand direkt mit dem Gehirn [7].
  • Auf die­sem Weg kön­nen sie vor allem die natür­li­che Appe­tit-Regu­la­ti­on und das Sät­ti­gungs­ge­fühl stö­ren und so dick machen [8]. Denn: Wer mehr Appe­tit beim Essen hat und sich erst spä­ter gesät­tigt fühlt, nimmt deut­lich mehr Nah­rung auf als not­wen­dig.

Was ist der bio-logi­sche Sinn?

War­um die Darm­flo­ra dies macht, beant­wor­te­te schließ­lich einer der renom­mier­tes­ten Ärz­te Euro­pas, Prof. Dr. Stig Beng­mark von den Uni­ver­si­tä­ten Lon­don (Groß­bri­tan­ni­en) und Lund (Schwe­den): Die moder­ne, für die mensch­li­che Ernäh­rung hoch­ef­fek­ti­ve Nah­rung ent­hält nur weni­ge Bal­last­stof­fe. Genau hier­von leben Darm­bak­te­ri­en aber vor­wie­gend. Wenn wenig Bal­last­stof­fe den Dick­darm errei­chen (dort leben die meis­ten »unse­rer« Bak­te­ri­en), bekom­men die Kleinst­le­be­we­sen auch zu wenig der für sie über­le­bens­wich­ti­gen Vit­ami­ne oder Mine­ral­stof­fe. Kurz­um, durch die­sen Nah­rungs­man­gel erlei­den die Bak­te­ri­en Hun­ger. Und sen­den Signa­le an das mensch­li­che Gehirn, damit die Nah­rungs­auf­nah­me erhöht wird [9].

Das Gan­ze ist “bio-logisch”, wenn man bedenkt, dass Men­schen und Bak­te­ri­en schon seit vie­len Mil­lio­nen Jah­ren mit­ein­an­der leben. Ja, sie leben so eng mit­ein­an­der zusam­men, dass Bio­lo­gen von einem »Super-Orga­nis­mus« spre­chen – also einem Lebe­we­sen, das aus vie­len ver­schie­de­nen Arten zusam­men­ge­setzt ist [10]. Da Men­schen sich seit Mil­lio­nen Jah­ren über­wie­gend pflanz­lich ernäh­ren, hat die Darm­flo­ra immer reich­lich Bal­last­stof­fe bekom­men und war “glück­lich” [11]. Bis vor etwa 100 Jah­ren jeden­falls. Seit­her hat sich der Bal­last­stoff­an­teil der Nah­rung dra­ma­tisch ver­rin­gert, beson­ders in den letz­ten 30 Jah­ren. Das ist genau der glei­che Zeit­raum, in dem die Über­ge­wichts-Epi­de­mie und ihre Fol­gen (zum Bei­spiel die Zucker­krank­heit) fast alle Men­schen mit west­li­chem Ernäh­rungs­stil erreicht haben [12, 13].

Was tun?

Wegwarte
Weg­war­te

Lei­der ist es kein wun­der­sa­mes All­heil­mit­tel, wenn Men­schen nun gro­ße Men­gen unver­dau­li­che Koh­len­hy­dra­te ver­zeh­ren, wie zuerst gehofft wur­de. Weder zur Vor­beu­gung chro­ni­scher Zivi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten noch zur Vor­beu­gung oder Behand­lung von Über­ge­wicht [14, 15]! Eini­ge Stu­di­en haben jedoch gezeigt, dass ganz bestimm­te Bal­last­stof­fe zum Bei­spiel dabei hel­fen, den Erfolg von Abnehm­pro­gram­men zu ver­bes­sern, vor allem der Koh­len­hy­drat-Bal­last­stoff Inu­lin [16, 17]. Aber nicht des­halb, weil die­ser Bal­last­stoff ein che­mi­scher, neben­wir­kungs­rei­cher Wirk­stoff zum Ver­rin­gern des Appe­tits wäre. Son­dern, weil Inu­lin die Ver­tei­lung der rund 1.200 Bak­te­ri­en­spe­zi­es im Darm ändern kann [18]. Wodurch Mikro­or­ga­nis­men all­mäh­lich zuneh­mend an Bedeu­tung gewin­nen, die weni­ger an der Ent­ste­hung von Über­ge­wicht betei­ligt sind (»gute« Bak­te­ri­en) [19]. Zu sehr schnel­len Abnehm­er­fol­gen führt die regel­mä­ßi­ge Auf­nah­me von Inu­lin, zum Bei­spiel Flo­ra­glück®-Inu­lin, aber meis­tens nicht. Meist ist eine län­ge­re Ein­nah­me not­wen­dig [20, 21]. Dann aber unter­stützt die­ser Bal­last­stoff den Gewichts­ver­lust [22] bei wirk­sa­men Abnehm-Pro­gram­men. Zum Bei­spiel in Kom­bi­na­ti­on mit Inter­vall-Fas­ten (iFas­ten), Ernäh­rungs-Umstel­lung und ver­mehr­tem Kraft-Aus­dau­er-Trai­ning.

Autor
• Rai­ner H. Buben­zer, Gesund­heits­be­ra­ter, Ber­lin, März 2015.
Bild­nach­weis
© bar­ma­lee­va (fotolia.com, 70764194).
Quel­len
[1] Al-Gha­­lith GA, Van­gay P, Knights D: The guts of obe­si­ty: pro­gress and chal­lenges in lin­king gut micro­bes to obe­si­ty. Dis­cov Med. 2015 Feb;19(103):81–8.
[2] Haw­rel­ak JA, Myers SP: The cau­ses of intesti­nal dys­bio­sis: a review. Altern Med Rev. 2004 Jun;9(2):180–97.
[3] Riley LW, Rapha­el E, Faer­stein E: Obe­si­ty in the United Sta­tes – dys­bio­sis from expo­sure to low-dose anti­bio­tics? Front Public Health. 2013 Dec 19;1:69.
[4] Ridau­ra VK, Faith JJ, Rey FE, Cheng J, Dun­can AE, Kau AL, Grif­fin NW, Lom­bard V, Hen­ris­sat B, Bain JR, Muehl­bau­er MJ, Ilkaye­va O, Semen­ko­vich CF, Funai K, Haya­shi DK, Lyle BJ, Mar­ti­ni MC, Ursell LK, Cle­men­te JC, Van Treu­ren W, Wal­ters WA, Knight R, New­gard CB, Heath AC, Gor­don JI: Gut micro­bio­ta from twins dis­cordant for obe­si­ty modu­la­te meta­bo­lism in mice. Sci­ence. 2013 Sep 6;341(6150):1241214.
[5] Frost G, Sleeth ML, Sahu­ri-Ari­­soy­­lu M, Lizar­be B, Cer­dan S, Bro­dy L, Ana­sta­sovs­ka J, Ghou­rab S, Han­kir M, Zhang S, Car­ling D, Swann JR, Gib­son G, Viar­dot A, Mor­ri­son D, Loui­se Tho­mas E, Bell JD: The short-chain fat­ty acid ace­tate redu­ces appe­ti­te via a cen­tral home­o­sta­tic mecha­nism. Nat Com­mun. 2014 Apr 29;5:3611.
[6] Frost GS, Walt­on GE, Swann JR, Psichas A, Cos­ta­bi­le A, John­son LP, Spon­hei­mer M, Gib­son GR, Bar­ra­clough TG: Impacts of plant-based foods in ances­tral homi­nin diets on the meta­bo­lism and func­tion of gut micro­bio­ta in vitro. MBio. 2014 May 20;5(3). pii: e00853-14.
[7] Bohór­quez DV, Shahid RA, Erd­mann A, Kre­ger AM, Wang Y, Cala­kos N, Wang F, Lidd­le RA: Neu­ro­epi­the­li­al cir­cuit for­med by inner­va­ti­on of sen­so­ry ente­r­o­en­do­cri­ne cells. J Clin Invest. 2015 Feb 2;125(2):782–6.
[8] Park HJ, Lee SE, Kim HB, Isaac­son RE, Seo KW, Song KH: Asso­cia­ti­on of obe­si­ty with serum lep­tin, adi­ponec­tin, and sero­to­nin and gut micro­flo­ra in bea­gle dogs. J Vet Intern Med. 2015 Jan;29(1):43–50.
[9] Beng­mark S: Gut micro­bio­ta, immu­ne deve­lo­p­ment and func­tion. Phar­ma­col Res. 2013 Mar;69(1):87–113.
[10] Slea­tor RD: The human super­or­ga­nism – of micro­bes and men. Med Hypo­the­ses. 2010 Feb;74(2):214–5.
[11] Eaton SB: The ances­tral human diet: what was it and should it be a para­digm for con­tem­po­ra­ry nut­ri­ti­on? Proc Nutr Soc. 2006 Feb;65(1):1–6.
[12] Liu S, Wil­lett WC, Man­son JE, Hu FB, Ros­ner B, Col­ditz G: Rela­ti­on bet­ween chan­ges in inta­kes of die­ta­ry fiber and grain pro­ducts and chan­ges in weight and deve­lo­p­ment of obe­si­ty among mid­d­­le-aged women. Am J Clin Nutr. 2003 Nov;78(5):920–7.
[13] Gross LS, Li L, Ford ES, Liu S: Increased con­sump­ti­on of refi­ned car­bo­hy­dra­tes and the epi­de­mic of type 2 dia­be­tes in the United Sta­tes: an eco­lo­gic assess­ment. Am J Clin Nutr. 2004 May;79(5):774–9.
[14] Mor­en­ga LT, Levers MT, Wil­liams SM, Brown RC, Mann J: Com­pa­ri­son of high pro­te­in and high fiber weight-loss diets in women with risk fac­tors for the meta­bo­lic syn­dro­me: a ran­do­mi­zed tri­al. Nutr J. 2011 Apr 28;10:40.
[15] Baron JA, Scho­ri A, Crow B, Car­ter R, Mann JI: A ran­do­mi­zed con­trol­led tri­al of low car­bo­hy­dra­te and low fat/high fiber diets for weight loss. Am J Public Health. 1986 Nov;76(11):1293–6.
[16] Bosch G, Ver­brugg­he A, Hes­ta M, Holst JJ, van der Poel AF, Jans­sens GP, Hen­driks WH: The effects of die­ta­ry fib­re type on satie­­ty-rela­­ted hor­mo­nes and vol­un­t­a­ry food inta­ke in dogs. Br J Nutr. 2009 Jul;102(2):318–25.
[17] Rober­fro­id MB, Del­zen­ne NM: Die­ta­ry fruc­tans. Annu Rev Nutr. 1998;18:117–43.
[18] Ramna­ni P, Gau­dier E, Bing­ham M, van Brug­gen P, Tuo­hy KM, Gib­son GR: Pre­bio­tic effect of fruit and vege­ta­ble shots con­tai­ning Jeru­sa­lem articho­ke inu­lin: a human inter­ven­ti­on stu­dy. Br J Nutr. 2010 Jul;104(2):233–40.
[19] Dewulf EM, Cani PD, Claus SP, Fuen­tes S, Puylaert PG, Ney­rinck AM, Bin­dels LB, de Vos WM, Gib­son GR, This­sen JP, Del­zen­ne NM: Insight into the pre­bio­tic con­cept: les­sons from an explo­ra­to­ry, dou­ble blind inter­ven­ti­on stu­dy with inu­­­lin-type fruc­tans in obe­se women. Gut. 2013 Aug;62(8):1112–21.
[20] Liber A, Sza­jews­ka H: Effects of inu­­­lin-type fruc­tans on appe­ti­te, ener­gy inta­ke, and body weight in child­ren and adults: sys­te­ma­tic review of ran­do­mi­zed con­trol­led tri­als. Ann Nutr Metab. 2013;63(1–2):42–54.
[21] Tari­ni J, Wole­ver TM: The fer­men­ta­ble fib­re inu­lin increa­ses post­pran­di­al serum short-chain fat­ty acids and redu­ces free-fat­­ty acids and ghre­lin in healt­hy sub­jects. Appl Phy­si­ol Nutr Metab. 2010 Feb;35(1):9–16.
[22] Par­nell JA, Rei­mer RA: Weight loss during oli­go­fruc­to­se sup­ple­men­ta­ti­on is asso­cia­ted with decreased ghre­lin and increased pep­ti­de YY in over­weight and obe­se adults. Am J Clin Nutr. 2009 Jun;89(6):1751–9.
Zusatz­in­fos
• Buben­zer RH, Hirsch­ler M: Abneh­men mit iFas­ten – Wis­sen­schaft und Anwen­dung. mul­ti MED visi­on Ver­lag, Ber­lin, 2015 (ISBN: 978–3‑00–046699‑1) (→ Buch bei Ama­zon bestel­len).

Glück­li­che Darm­bak­te­ri­en hel­fen beim Abneh­men


Abnehmen mit Abführmitteln

Das Gesund­heits­pro­blem Über­ge­wicht wird welt­weit immer bedroh­li­cher. Aktu­el­le For­schun­gen zei­gen, dass der Zustand der Darm­bak­te­ri­en (“Darm­flo­ra”) wesent­lich für das Auf­tre­ten von Über­ge­wicht und Adi­po­si­tas und deren chro­ni­schen Ver­lauf ist [1]. Der Haupt­grund ist die Ver­än­de­rung der mensch­li­chen Ernäh­rung im Ver­lauf der letz­ten 100 Jah­re. Der Bal­last­stoff Inu­lin aus der Weg­war­ten­wur­zel (Flo­ra­glück®) kann wirk­sam Abhil­fe schaf­fen.

Die Fak­ten

  • Schon lan­ge ist bekannt, dass eine gesun­de Darm­flo­ra die Grund­la­ge für die Abwehr­funk­tio­nen des Kör­pers (“Immun­sys­tem”) ist. Eine Stö­rung des bak­te­ri­el­len Lebens im Darm (»Dys­bio­se«) erhöht zum Bei­spiel die Gefahr von Infek­ti­ons­krank­hei­ten und ande­ren Erkran­kun­gen. Bei­spiels­wei­se nach Behand­lun­gen mit zahl­rei­chen Anti­bio­ti­ka (die auch vie­le Darm­bak­te­ri­en abtö­ten) [2, 3].
  • Ein Zusam­men­hang von Darm­flo­ra und Über­ge­wicht wur­de vor weni­gen Jah­ren scho­ckie­rend ein­fach belegt: Wird etwas bak­te­ri­en­hal­ti­ger Darm­in­halt von dicken Ver­suchs­tie­ren auf dün­ne Tie­re über­tra­gen, legen auch die schlan­ken Tie­re rasch an Gewicht zu. Das funk­tio­niert sogar, wenn eine gerin­ge Men­ge Darm­be­woh­ner von über­ge­wich­ti­gen Men­schen auf schlan­ke Labor­tie­re trans­plan­tiert wird [4].
  • Die Darm­bak­te­ri­en kön­nen also Signa­le sen­den, die bei Mensch und Tier zu Über­ge­wicht füh­ren. Zunächst wur­de ange­nom­men, ver­schie­de­ne che­mi­sche, von Bak­te­ri­en gebil­de­te Signal­stof­fe wür­den dies bewir­ken, ähn­lich wie Gewebs­hor­mo­ne [5, 6]. Erst im ver­gan­ge­nen Jahr wur­de aber klar: Darm­bak­te­ri­en kom­mu­ni­zie­ren auch ohne alle Umwe­ge über Ner­ven­zel­len in der Darm­wand direkt mit dem Gehirn [7].
  • Auf die­sem Weg kön­nen sie vor allem die natür­li­che Appe­tit-Regu­la­ti­on und das Sät­ti­gungs­ge­fühl stö­ren und so dick machen [8]. Denn: Wer mehr Appe­tit beim Essen hat und sich erst spä­ter gesät­tigt fühlt, nimmt deut­lich mehr Nah­rung auf als not­wen­dig.

Was ist der bio-logi­sche Sinn?

War­um die Darm­flo­ra dies macht, beant­wor­te­te schließ­lich einer der renom­mier­tes­ten Ärz­te Euro­pas, Prof. Dr. Stig Beng­mark von den Uni­ver­si­tä­ten Lon­don (Groß­bri­tan­ni­en) und Lund (Schwe­den): Die moder­ne, für die mensch­li­che Ernäh­rung hoch­ef­fek­ti­ve Nah­rung ent­hält nur weni­ge Bal­last­stof­fe. Genau hier­von leben Darm­bak­te­ri­en aber vor­wie­gend. Wenn wenig Bal­last­stof­fe den Dick­darm errei­chen (dort leben die meis­ten »unse­rer« Bak­te­ri­en), bekom­men die Kleinst­le­be­we­sen auch zu wenig der für sie über­le­bens­wich­ti­gen Vit­ami­ne oder Mine­ral­stof­fe. Kurz­um, durch die­sen Nah­rungs­man­gel erlei­den die Bak­te­ri­en Hun­ger. Und sen­den Signa­le an das mensch­li­che Gehirn, damit die Nah­rungs­auf­nah­me erhöht wird [9].

Das Gan­ze ist “bio-logisch”, wenn man bedenkt, dass Men­schen und Bak­te­ri­en schon seit vie­len Mil­lio­nen Jah­ren mit­ein­an­der leben. Ja, sie leben so eng mit­ein­an­der zusam­men, dass Bio­lo­gen von einem »Super-Orga­nis­mus« spre­chen – also einem Lebe­we­sen, das aus vie­len ver­schie­de­nen Arten zusam­men­ge­setzt ist [10]. Da Men­schen sich seit Mil­lio­nen Jah­ren über­wie­gend pflanz­lich ernäh­ren, hat die Darm­flo­ra immer reich­lich Bal­last­stof­fe bekom­men und war “glück­lich” [11]. Bis vor etwa 100 Jah­ren jeden­falls. Seit­her hat sich der Bal­last­stoff­an­teil der Nah­rung dra­ma­tisch ver­rin­gert, beson­ders in den letz­ten 30 Jah­ren. Das ist genau der glei­che Zeit­raum, in dem die Über­ge­wichts-Epi­de­mie und ihre Fol­gen (zum Bei­spiel die Zucker­krank­heit) fast alle Men­schen mit west­li­chem Ernäh­rungs­stil erreicht haben [12, 13].

Was tun?

Flo­ra­glück®-Weg­war­te
Lei­der ist es kein wun­der­sa­mes All­heil­mit­tel, wenn Men­schen nun gro­ße Men­gen unver­dau­li­che Koh­len­hy­dra­te ver­zeh­ren, wie zuerst gehofft wur­de. Weder zur Vor­beu­gung chro­ni­scher Zivi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten noch zur Vor­beu­gung oder Behand­lung von Über­ge­wicht [14, 15]! Eini­ge Stu­di­en haben jedoch gezeigt, dass ganz bestimm­te Bal­last­stof­fe zum Bei­spiel dabei hel­fen, den Erfolg von Abnehm­pro­gram­men zu ver­bes­sern, vor allem der Koh­len­hy­drat-Bal­last­stoff Inu­lin [16, 17]. Aber nicht des­halb, weil die­ser Bal­last­stoff ein che­mi­scher, neben­wir­kungs­rei­cher Wirk­stoff zum Ver­rin­gern des Appe­tits wäre. Son­dern, weil Inu­lin die Ver­tei­lung der rund 1.200 Bak­te­ri­en­spe­zi­es im Darm ändern kann [18]. Wodurch Mikro­or­ga­nis­men all­mäh­lich zuneh­mend an Bedeu­tung gewin­nen, die weni­ger an der Ent­ste­hung von Über­ge­wicht betei­ligt sind (»gute« Bak­te­ri­en) [19]. Zu sehr schnel­len Abnehm­er­fol­gen führt die regel­mä­ßi­ge Auf­nah­me von Inu­lin, zum Bei­spiel Flo­ra­glück®-Inu­lin, aber meis­tens nicht. Meist ist eine län­ge­re Ein­nah­me not­wen­dig [20, 21]. Dann aber unter­stützt die­ser Bal­last­stoff den Gewichts­ver­lust [22] bei wirk­sa­men Abnehm-Pro­gram­men. Zum Bei­spiel in Kom­bi­na­ti­on mit Inter­vall-Fas­ten (iFas­ten), Ernäh­rungs-Umstel­lung und ver­mehr­tem Kraft-Aus­dau­er-Trai­ning.

Autor
• Rai­ner H. Buben­zer, Gesund­heits­be­ra­ter Flo­ra­glück, Ber­lin, März 2015.
Bild­nach­weis
© bar­ma­lee­va (fotolia.com, 70764194).
Quel­len
[1] Al-Gha­­lith GA, Van­gay P, Knights D: The guts of obe­si­ty: pro­gress and chal­lenges in lin­king gut micro­bes to obe­si­ty. Dis­cov Med. 2015 Feb;19(103):81–8.
[2] Haw­rel­ak JA, Myers SP: The cau­ses of intesti­nal dys­bio­sis: a review. Altern Med Rev. 2004 Jun;9(2):180–97.
[3] Riley LW, Rapha­el E, Faer­stein E: Obe­si­ty in the United Sta­tes – dys­bio­sis from expo­sure to low-dose anti­bio­tics? Front Public Health. 2013 Dec 19;1:69.
[4] Ridau­ra VK, Faith JJ, Rey FE, Cheng J, Dun­can AE, Kau AL, Grif­fin NW, Lom­bard V, Hen­ris­sat B, Bain JR, Muehl­bau­er MJ, Ilkaye­va O, Semen­ko­vich CF, Funai K, Haya­shi DK, Lyle BJ, Mar­ti­ni MC, Ursell LK, Cle­men­te JC, Van Treu­ren W, Wal­ters WA, Knight R, New­gard CB, Heath AC, Gor­don JI: Gut micro­bio­ta from twins dis­cordant for obe­si­ty modu­la­te meta­bo­lism in mice. Sci­ence. 2013 Sep 6;341(6150):1241214.
[5] Frost G, Sleeth ML, Sahu­ri-Ari­­soy­­lu M, Lizar­be B, Cer­dan S, Bro­dy L, Ana­sta­sovs­ka J, Ghou­rab S, Han­kir M, Zhang S, Car­ling D, Swann JR, Gib­son G, Viar­dot A, Mor­ri­son D, Loui­se Tho­mas E, Bell JD: The short-chain fat­ty acid ace­tate redu­ces appe­ti­te via a cen­tral home­o­sta­tic mecha­nism. Nat Com­mun. 2014 Apr 29;5:3611.
[6] Frost GS, Walt­on GE, Swann JR, Psichas A, Cos­ta­bi­le A, John­son LP, Spon­hei­mer M, Gib­son GR, Bar­ra­clough TG: Impacts of plant-based foods in ances­tral homi­nin diets on the meta­bo­lism and func­tion of gut micro­bio­ta in vitro. MBio. 2014 May 20;5(3). pii: e00853-14.
[7] Bohór­quez DV, Shahid RA, Erd­mann A, Kre­ger AM, Wang Y, Cala­kos N, Wang F, Lidd­le RA: Neu­ro­epi­the­li­al cir­cuit for­med by inner­va­ti­on of sen­so­ry ente­r­o­en­do­cri­ne cells. J Clin Invest. 2015 Feb 2;125(2):782–6.
[8] Park HJ, Lee SE, Kim HB, Isaac­son RE, Seo KW, Song KH: Asso­cia­ti­on of obe­si­ty with serum lep­tin, adi­ponec­tin, and sero­to­nin and gut micro­flo­ra in bea­gle dogs. J Vet Intern Med. 2015 Jan;29(1):43–50.
[9] Beng­mark S: Gut micro­bio­ta, immu­ne deve­lo­p­ment and func­tion. Phar­ma­col Res. 2013 Mar;69(1):87–113.
[10] Slea­tor RD: The human super­or­ga­nism – of micro­bes and men. Med Hypo­the­ses. 2010 Feb;74(2):214–5.
[11] Eaton SB: The ances­tral human diet: what was it and should it be a para­digm for con­tem­po­ra­ry nut­ri­ti­on? Proc Nutr Soc. 2006 Feb;65(1):1–6.
[12] Liu S, Wil­lett WC, Man­son JE, Hu FB, Ros­ner B, Col­ditz G: Rela­ti­on bet­ween chan­ges in inta­kes of die­ta­ry fiber and grain pro­ducts and chan­ges in weight and deve­lo­p­ment of obe­si­ty among mid­d­­le-aged women. Am J Clin Nutr. 2003 Nov;78(5):920–7.
[13] Gross LS, Li L, Ford ES, Liu S: Increased con­sump­ti­on of refi­ned car­bo­hy­dra­tes and the epi­de­mic of type 2 dia­be­tes in the United Sta­tes: an eco­lo­gic assess­ment. Am J Clin Nutr. 2004 May;79(5):774–9.
[14] Mor­en­ga LT, Levers MT, Wil­liams SM, Brown RC, Mann J: Com­pa­ri­son of high pro­te­in and high fiber weight-loss diets in women with risk fac­tors for the meta­bo­lic syn­dro­me: a ran­do­mi­zed tri­al. Nutr J. 2011 Apr 28;10:40.
[15] Baron JA, Scho­ri A, Crow B, Car­ter R, Mann JI: A ran­do­mi­zed con­trol­led tri­al of low car­bo­hy­dra­te and low fat/high fiber diets for weight loss. Am J Public Health. 1986 Nov;76(11):1293–6.
[16] Bosch G, Ver­brugg­he A, Hes­ta M, Holst JJ, van der Poel AF, Jans­sens GP, Hen­driks WH: The effects of die­ta­ry fib­re type on satie­­ty-rela­­ted hor­mo­nes and vol­un­t­a­ry food inta­ke in dogs. Br J Nutr. 2009 Jul;102(2):318–25.
[17] Rober­fro­id MB, Del­zen­ne NM: Die­ta­ry fruc­tans. Annu Rev Nutr. 1998;18:117–43.
[18] Ramna­ni P, Gau­dier E, Bing­ham M, van Brug­gen P, Tuo­hy KM, Gib­son GR: Pre­bio­tic effect of fruit and vege­ta­ble shots con­tai­ning Jeru­sa­lem articho­ke inu­lin: a human inter­ven­ti­on stu­dy. Br J Nutr. 2010 Jul;104(2):233–40.
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Zusatz­in­fos
• Buben­zer RH, Hirsch­ler M: Abneh­men mit iFas­ten – Wis­sen­schaft und Anwen­dung. mul­ti MED visi­on Ver­lag, Ber­lin, 2015 (ISBN: 978–3‑00–046699‑1) (→ Buch bei Ama­zon bestel­len oder auf die­ser → Web­site ver­sand­kos­ten­frei).